Von Kuchentrümmern und kleinen Schritten – mal ein anderer Beitrag

An manchen Tagen kriegt man ja „nichts gebacken“, wie es so schön heißt. Tatsächlich war heute für mich ganz genau so ein Tag. Erst habe ich verschlafen, auf dem Weg zum Bus eine Pfütze übersehen (weshalb ich auf der Arbeit nur in Socken rumgerannt bin, damit mein Schuh trocknen kann) und dann auf dem Nachhauseweg meine Haltestelle verpasst, weil ich vor mich hingeträumt habe.
Es passte also irgendwie in meinen Tag, dass der Kaiserschmarrn, den ich für einen Freund zum Abendessen machen wollte, mehr einem süßen Rührei denn einer österreichischen Mehlspeise glich. Nun gut, an solchen Tagen muss man also einfach mal ein bisschen umplanen und so nutze ich die „Lücke“ in meinem Rezeptrepertoire für einen Blogeintrag der etwas anderen Art.
Ich habe also beschlossen einen Blogeintrag zu machen, in dem ihr mich mal von einer ganz anderen Seite erlebt. Denn bisher habe ich alles in allem noch nicht wirklich viel von mir preisgegeben. Um ehrlich zu sein, hat das den Grund, dass ich selbst noch nicht so ganz sicher bin, wie viel ich eigentlich „diesem Internet“ von mir zeigen möchte, oder ganz allgemein der Außenwelt. Vermutlich ist dieses „sich öffnen“ ein Prozess, den ich nach und nach durchmachen werde – aber bis dahin mache ich einfach einen kleinen Schritt vor den anderen.
Ich finde immer, dass man Menschen in Stresssituationen sehr gut kennen lernen kann, da sie in solchen Momenten oft  vergessen die perfekte Fassade aufrecht zu halten. Ich begebe mich also in den virtuellen Löwenkäfig und erzähle euch die dramatische Geschichte um einen Kuchen, der ganz und gar andere Pläne hatte als ich.
Im Sommer letzten Jahres war ich auf die Babyshower einer sehr lieben Arbeitskollegin eingeladen. Und wie ich nun mal bin, habe ich von Anfang an geschrieen, dass ich den Kuchen machen würde. Da meine Kolleginnen jetzt aber nicht alle Tage ihr erstes Kind kriegen, wollte ich etwas besonders schönes machen. Ein Kinderwagen, passend zum Thema, sollte es sein. Ich hatte mir alles sowohl im Kopf als auch auf dem Papier so richtig schön ausgemalt. Weiss sollte er werden und auf einem Rechteckigen Kuchen mit grünem Frosting thronen. Für diesen Anlass habe ich extra auf den Backofen meiner Mama zurück gegriffen, um schneller zwei halbkegelförmige und einen großen (Blech)Kuchen backen zu können – so eine Motivtorte braucht schließlich auch so jede Menge Zeit. Möglicherweise war es Karma, weil ich einen Backofen benutzt habe, möglicherweise habe ich mich bei den Zutaten für den Teig verrechnet, oder die Form war nicht gut eingefettet – sicher ist, dass der Kuchen aus der einen Kegelform nur halb und aus der flachen, rechteckigen gar nicht heraus kam.
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Da stand ich also mit jeder Menge Kuchen und einem Plan, von dem ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wie ich ihn nun verwirklichen sollte. Neubacken kam sowohl zeitlich als auch aus Prinzip nicht in Frage und auch die Füllung und die Ganache für die Torte waren ebenfalls bereits angerührt – da blieb also nur noch die Flucht nach vorn.
Ich muss jetzt gestehen, dass solche Maleure nicht wirklich untypisch für mich sind. Häufig male ich mir Ereignisse oder Vorhaben meinerseits in schillernden Farben aus, nur um dann auf halber Strecke zu merken, dass meine Vorstellung und die Realität gar nicht mal so d ‚accort laufen. Natürlich ist es wichtig in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, cool zu bleiben und das Unglück objektiv von allen Seiten zu betrachten.
Ich sprang also aufgescheucht durch die Küche, komplimentierte und bedrohte die Backform, damit sie den Kuchen herausgab und musste schließlich mein Los einsehen. Ich habe mich also hingesetzt und den Kuchen ca. eine halbe Stunde lang angestarrt (Sowohl stinksauer als auch analytisch) und von allen Seiten meine Möglichkeiten abgewogen. Das Fazit meiner Untersuchung lautete: Totalschaden. Retten was zu retten ist, aber ohne Rücksicht auf Verluste.
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Unterm Strich bedeutete das, ein ganz neues Tortenkonzept zu basteln: Der Kuchenuntergrund wurde gestrichen und der Kinderwagen durch eine Wiege ersetzt. Glaubt mir wenn ich euch sage, das was in der Küche meiner Mutter an diesem Tag geschah, war kein entspanntes Backe-Backe-Kuchen, das war Krieg. Eine regelrechte Kuchenschlacht. Aus der heilen Halbkugel wurde der Wiegenkorb – Das war der leichte Teil. Der Schirm des Babyhimmelbetts dagegen wurde aus Trümmern und Bruchstücken so zusammen gedrückt und gekleistert (die Ganache war wenigstens gelungen und erfüllte ihre Zwecke) bis ein kuppelartiges Gebilde daraus erwuchs. Sicherheitshalber habe ich das ganze mit Zahnstochern und einer zweiten (dünnen) Schicht Ganache fixiert, bevor ich mich mit dem Fondantüberzug beschäftigte. Auch hier brachte die insgesamt relative Instabilität des Kuchens ihre Tücken mit sich, aber mit viel Fluchen, Flehen und Versuchen hat das Einschlagen dann doch ganz gut funktioniert. Da an einigen Stellen aber doch Unfeinheiten zu erkennen  waren, wurde kurzerhand noch ein zweiter Überzug aus rosa Fondant beschlossen (rosa, da es ein Mädchen würde), dessen Zweck darin bestand die rissigen und unschönen Stellen zu überdecken.
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Ich wollte absolut mehr als einmal mittendrin das Handtuch von mir und den Kuchen aus dem Fenster werfen, muss aber sagen, dass sich der ganze Stress und die viele Arbeit letzten Endes gelohnt haben. Das wichtigste an einem Kuchen -eigentlich an allen Lebensmitteln- ist, dass er schmeckt. Nur das ist wirklich von Interesse. Wenn ich den Kuchen also für den Kaffeetisch bei meinen Eltern gebacken hätte, wären die Kuchentrümmer zwar nicht schön aber ausreichend gewesen. Es gibt aber auch Situationen, da spielt das äußere ebenso eine Rolle wie der Geschmack. Ein Hochzeitstorte zum Beispiel soll den Gästen ja nicht Sätze entlocken wie „Och der optische Unfall war doch eigentlich ganz lecker“. Und gleiches gilt eben auch für meinen Kuchen für die Babyshower. Gegessen wurde der Kuchen übrigens nicht auf der Party soweit ich weiss, da so viel herzhaftes Essen da war.
Ich hab mir aber sagen lassen, dass er sehr lecker gewesen ist. Auf die zahlreichen Zahnstocher hatte ich gerade noch rechtzeitig hingewiesen – was ein Bonus war ;).
Ganz ehrlich läuft bei mir nur in den seltensten Fällen wirklich alles glatt und so wie ich es will. Meistens geht sogar alles irgendwie schief. Oft habe ich dann Glück im Unglück. Und im Grunde genommen, ist das alles immer irgendwie egal, solange etwas mit Liebe und Leidenschaft angegangen wird. Macht das Sinn? 😀
In diesem Sinne wünsche ich euch ein herrliches und möglichst unfallfreies Wochenende!

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